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Venom: Let there be Carnage (US 2021)

Alles in Allem ist Venom: Let there be Carnage kein bemerkenswerter Film. Um diese Fortsetzung genießen zu können, muss man Fan des ersten Teils sein. Der Film ist 97 Minuten lang und hätte auch nicht länger sein dürfen, da hier nicht mehr erzählt wird als in einer Monster-of-the-Week-Episode einer TV-Serie aus den 90er-Jahren.

Während die Dynamik zwischen Brock und Venom noch für Lacher sorgt und wir zumindest rudimentär Interesse an den beiden Figuren aufbauen können, sind die übrigen Charaktere, deren Stories und Schicksale absolut belanglos.
Mulligan taugt nicht als echte Bedrohung für Brock/Venom, Kasadys Lebenslauf ist so dürr und plump geschrieben, dass Verständnis und/oder Mitleid nicht aufgebaut werden können, und nicht einmal die Beziehung zu Frances/Shriek wird interessant erzählt.
Frances/Shriek, die große Liebe Kasadys, die von Kasady/Carnage befreit wird, stellt fortan sogar ein Hindernis dar. Sie ist nur ein Mensch, daher sehr verwundbar, und ihre besondere Fähigkeit schadet Kasady/Carnage mehr als dass sie nützt.
Und so ist es nicht zuletzt Carnage selbst, der die Stupidität dieser Figur offenlegt, was den Film auf einer Meta-Ebene sehr selbstreferenziell macht.

Wie schon im ersten Teil wird die Kuriosität der Beziehung zwischen Brock und Venom durch das Over-Acting Tom Hardys unterstützt und in diesem Sinne passen Naomi Harris und Woody Harrelson perfekt in die Inszenierung, da auch sie ihre Rollen überspitzt spielen, doch unterm Strich bleibt wenig Substanz für den Film übrig.
Die Kämpfe sind dagegen ordentlich inszeniert. Überhaupt hat Andy Serkis gute Arbeit geleistet und zusammen mit Kameramann Robert Richardson stets Wege gefunden, die Action gekonnt in Szene zu setzen.
Mit Venom: Let there be Carnage ist es daher ähnlich wie mit den Godzilla-Filmen. Während die Monsterkloppe Vergnügen bereitet, wirken die menschlichen Handlungsstränge wie Störfaktoren, die die Zeit zwischen den Kämpfen überbrücken sollen, darin aber scheitern.

Ich will allerdings mit diesem zweiten Teil nicht härter ins Gericht gehen als unbedingt nötig, da er trotz aller Schwächen Vergnügen bereitet und es offensichtlich ist, dass dieser Film der Wegbereiter für einen dritten Teil sein soll. Dies zeigen die Festigung der Beziehung zwischen Brock und Venom, das Aufwachen von Mulligan gegen Ende (was mag da wohl geschehen sein
😲) und die Post-Credit-Scene, die ohnehin sehr interessante Verwicklungen in Aussicht stellt.

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