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Good Boys (US 2019)

Good Boys
 (US 2019) ist ein schöner Film und er ist insofern schön, als dass wir uns mit den Figuren identifizieren können, da wir die Konflikte der Figuren in der einen oder anderen Form selbst durchgemacht haben.

Der Film befasst sich mit den Problemen von drei Jungs an der Schwelle zur Pubertät. Er ist witzig und spannend einerseits und maßlos übertrieben andererseits. Dabei verliert der Film die Überforderung der Figuren mit sich und den kleinen und großen Situationen um sie herum nie aus den Augen und ist daher immer auch sehr liebevoll.
Good Boys verhandelt das skurrile Verhältnis zwischen Groß und Klein. Kleine Figuren stehen großen Problemen gegenüber, wachsen an diesen Problemen, finden Lösungen, wodurch die Probleme kleiner, aber schließlich durch noch größere Konflikte ersetzt werden.

Manche Probleme sind eigentlich klein und erfahren plötzlich eine Vergrößerung, wodurch die Figuren, die bereits eine gewisse Größe besitzen, auf einmal schrumpfen.

Der Film pointiert das Heranwachsen und kombiniert auf eine mitunter einfühlsame Weise die  Screw-Ball-Komödie mit Elementen des Coming-of-Age-Films. Auch der Roadmovie findet Raum in Good Boys, da der kindliche Kosmos und die damit verbundene Mobilität den Weg zum örtlichen Einkaufszentrum zu einem ausgeprägten Trip werden lassen können.

Überhaupt wirkt der Film ähnlich wie eine Fabel, in der Tiere menschliche Rollen und Funktionen übernehmen, nur dass hier mit Kindern anstelle von Tieren inszeniert wird.

Übertrieben wie ohnehin alles in dem Film, diskutiert der Film das Verhältnis zwischen Groß und Klein auch in der Wahl der Figuren und Objekte.

Kinder werden zu Anführern von Gangs und Gesellschaften und eine Flasche Bier wird zur ultimativen Mutprobe und körperlichen Erfahrung. Wer sich widersetzt, wird stigmatisiert und soll auch in Zukunft ein schweres Leben führen.

Der Druck, der auf den drei Jungs lastet, ist enorm, schließlich befinden sie sich nicht nur an der Schwelle der Pubertät, sondern stehen auch vor dem Wechsel zur High School.

Der angestrebte Kuss zwischen einem der Jungs und einem Mädchen wirkt wie ein Initiationsritus für die nächste Stufe des Lebens.

Und dann ist da noch der überall lauernde Sex.

Was dem einen eine Halskette, sind dem anderen Analkugeln, was dem einen eine Puppe zur Übung von Wiederbelebungsmaßnahmen, ist dem anderen ein Sexspielzeug.

Good Boys wird durch das Übermaß an Anzüglichkeiten nicht besser. Die drei Figuren haben genug mit ihrer eigenen Sexualität zu schaffen, wodurch die von Erwachsenen geschriebenen kindischen humoristischen Einlagen unnötige Ablenkung bedeuten.

Oder anders formuliert: Es muss nicht immer alles nach Pipi und Kacka riechen.

Andererseits gibt es all diese Dinge. Sexspielzeuge werden von Erwachsenen für Erwachsene produziert und vertrieben und nur, weil Kinder nicht Teil der Zielgruppe sind, bedeutet dies nicht, dass diese Gegenstände für sie unsichtbar sind.

Und es scheint, als präge die Sexualität das Erwachsenendasein dermaßen, dass Hygiene hierüber eine zweitrangige Bedeutung einnimmt. Da verbleiben Haare im Mund der Puppe und verströmt die vermeintliche Kette einen eigentümlichen fäkalen Geruch.

Sexualität ist, was Du daraus machst, und so stellt der Film einmal mehr die Frage, ob mit Erwachen der sexuellen Aktivität zwangsläufig die Unvermeidlichkeit derselben einhergeht.

Es gibt ein Bild, von dem gesagt wird, dass Kinder darin Delfine sehen, während Erwachsene die Silhouetten eines Liebespaares erkennen, und es stellt sich die Frage, ob diese Bild den Film nicht perfekt zusammenfasst.

Das Ziel der Jungs ist ein simpler, harmloser Kuss und auf dem Weg dorthin finden sie alles, nur keine Küsse, wodurch einmal mehr verdeutlicht wird, dass Kinder ausschließlich in speziell abgesteckten Räumen Platz finden. Alles andere auf dieser Welt bleibt den Erwachsenen vorbehalten.

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