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Was haben wir gelacht (D 2026)

"Sie sind der Meinung, das war…", "Hier ist Ihre Nummer 1", "Wetten, dass…?", "Wir haben doch keine Zeit".

Es ist unmöglich, bei diesen ikonischen Sätzen nicht auch an die entsprechend ikonischen Moderatoren (männlich, kein Asterisk, kein Doppelpunkt) zu denken.

In "Was haben wir gelacht" kommen einerseits fünf Frauen zu Wort, die sich nicht nur an diese Sätze erinnern können.

Viele der Kollegen sind ihnen wohlbekannt. Mal mehr, mal weniger freiwillig haben sich ihre Wege gekreuzt und damit einhergehend auch der Sexismus und die Mühen, die damit einhergingen.

WAS HABEN WIR GELACHT ist eine Dokumentation der Journalistinnen und Filmemacherinnen Eva Müller und Isabel Schneider und läuft seit dem 16.07.2026 im Kino.

Müller und Schneider portraitieren hier Esther Schweins, Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen und erzählen in zahlreichen Bildern von dem Verhältnis von Frauen, Humor und der deutschen TV-Landschaft der späten 1980er, 1990er und frühen 2000er Jahre.

Dabei ist der älteste Ausschnitt von 1969 (Umfrage zur Sexualaufklärung), der jüngste von 2009 ("Wetten, dass…?"). Lang ist's her, könnte man meinen, doch angesichts notwendiger Neologismen wie Femizid oder der Dreistigkeit, mit der Gesetze wie "Nur Ja heißt Ja" ins Lächerliche gezogen werden, erscheint der Film aktueller denn je.

DIE GUTE ALTE ZEIT

Müller und Schneider machen es geschickt und orientieren formalästhetisch sich an den Best-Ofs, wie sie vor allem in den dritten Programmen flächendeckend zu finden sind.

Ausschnitte werden gezeigt, bekannte Gesichter kommentieren. Dann ein Schnitt und weiter geht's. Und in der Tat fängt WAS HABEN WIR GELACHT genauso an. Gezeigt wird, wie die Frauen der Reihe nach ihre Namen schreiben. Wer mag da nicht an Lemkes Frage nach dem Schweinderl, das man so gerne hätte, denken?

Es folgt die Frage, wer die erste lustige Frau war, an die sich die Persönlichkeiten erinnern können. Dies wirkt auch auf das Publikum. Umgehend wird auch die Frage nach dem Gleichgewicht der Geschlechter angekündigt und ein initialer Beigeschmack setzt ein, doch als dann die erste Montage beginnt und die Herren Schmidt, Carrell, Dräger, von der Lippe, Raab, Gottschalk, Thoelke, Rosenthal und Juhnke gezeigt werden, ist die eskapistische Illusion beinahe perfekt.
Die gute alte Zeit der großen Abendunterhaltung, ob samstags ab 20.15 Uhr oder unter der Woche spätabends; endlich ist sie (wieder) gekommen.

Die beiden Filmemacherinnen machen es geschickt und präsentieren all die bekannten Gesichter, zu denen es so viele heitere Erinnerungen gibt. An Stelle der Pointen werden allerdings männliche Blicke gezeigt, die Frauenkörper millimetergenau taxieren, und die ebenso männlichen Hände, die überprüfen, ob die Blicke eh recht hatten.

Wie immer gilt, was das Publikum sieht, das sehen die Prominenten ebenso.

Sie betrachten die Ausschnitte, erinnern sich teilweise daran, sie sehen sich selbst und erinnern sich ebenso. Gags werden nun am laufenden Band geliefert und das jeweilige Publikum klatscht und lacht. Verübeln kann man es ihm nur bedingt. Es reagiert auf das, was ihm vom System Fernsehen und der Gesellschaft vorgelebt und geliefert wird, und da übersieht man schon 'mal, dass die Tennisweltmeisterin, der Gottschalk die Hand auf den Oberschenkel legt, nicht ebenso ausgelassen agiert wie der Moderator, oder wenn bei "Herzblatt" hervorgehoben wird, dass die Frau, die einen Partner sucht, gute Zähne hat, als wäre sie ein Pferd auf einer Auktion. Die fünf näher beleuchteten Karrieren sind entweder selbst aus der Comedy und dem Kabarett heraus entstanden oder sahen sich selbigem immer gegenüber.

Sexismus war da an der Tagesordnung. Die Frau auf das Äußere reduziert und dann und wann sogar noch weiter entmenschlicht, wenn das Privatleben und damit eine queere Lebensweise bekannt war.

Es ist eine Ohnmacht, die auch durch Schlagfertigkeit nicht immer abzulegen ist.

Dies sieht man auch an Hella von Sinnen. Sie gibt sich stets selbstsicher und trägt ihre Homosexualität mit einer Selbstverständlichkeit, dass hierüber schon damals kaum Angriffe möglich waren, doch auf der Couch neben Gottschalk sitzend, braucht es einige Momente, um irgendwie angemessen zu reagieren, und manchmal sitzt die eigene gefühlte Wahrheit so tief, dass es unmöglich ist, eine Situation richtigzustellen, selbst wenn einfachste Sätze gewählt werden.


"QUATSCH NICHT SOVIEL, MÄDEL. SING LIEBER."

WAS HABEN WIR GELACHT orientiert sich an den Karrieren der fünf Frauen, die durch ihren Witz und Humor dem breiten Publikum bekannt wurden und sich so ein Leben haben aufbauen können.

Doch während Biografien von Kollegen (männlich, kein Asterisk, kein Doppelpunkt) meist dadurch geprägt sind, dass sie von Engagement zu Engagement kommen und vielleicht hier und da private Schicksalsschläge zu überwinden haben, haben Schweins, Kroymann, von Sinnen, Köster und Böttinger allein schon damit zu kämpfen, dass sie Frauen sind.

Immer wieder verlässt die Dokumentation den Bereich des Humors und schaut nach links und rechts. Wie war das doch noch gleich mit der Binde und der blauen Flüssigkeit?

Frauen haben vor allem durch ihren Körper zu bestechen und dieser hat makellos und verfügbar zu sein.

Kroymann erzählt an einer Stelle, dass man sie bei einem Auftritt nicht sprechen hören wollte. "Quatsch nicht soviel, Mädel. Sing lieber" hatte es damals geheißen. Von Sinnen konnte sich laut Gottschalk glücklich schätzen, denn in "einem Frack kann man auch einfach zwei Pfund mehr haben", und bei Harald Schmidt hieß es schließlich, dass die Gemeinsamkeit zwischen der lesbischen Böttinger und einer Klobrille darin bestünde, dass die "kein Mann freiwillig anfassen [würde]".


Der Klobrillenvergleich und Böttingers Reaktion darauf werden in der Dokumentation ausgiebig diskutiert und von Sinnen stellt die These in den Raum, Frauen dürften in solch einem Moment nicht zugeben, verletzt oder verärgert worden zu sein, um sich nicht in den Verdacht zu geraten, Opfer zu sein.

In diesem Sinne ist die Dokumentation nicht nur ein Portrait über die beachtlichen Karrieren von fünf Frauen, sondern eine Bestandsaufnahme über ein System, das an Frauen ganz andere Anforderungen stellt als an Männer. In letzter Zeit hat es sich etabliert, dass Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren, sich nicht als Opfer, sondern als Überlebende begreifen.

Sie können sich zur Wehr setzen, auch wenn der Übergriff bereits erfolgt ist.

Auch Böttinger ist Überlebende.


FAZIT

WAS HABEN WIR GELACHT stellt enorm viele Fragen und streift verschiedene Gebiete, die jedes für sich eigene Dokumentationen wert sind. Am Ende heißt es, dass die besprochene Zeit vorbei und die diskutierten Zustände heutzutage nicht mehr möglich wären. Dass neben den portraitierten Frauen, die die besprochene Zeit alle miterlebt haben, nicht auch eine jüngere Moderatorin oder Comedienne zur Sprache kommt, die die 90er nur aus Erzählungen kennt, aber im Heute aktiv ist und ihre Karriere ggf. über die neuen Medien aufgebaut hat, ist schade. In der Dokumentation wird ein Magazin-Cover thematisiert, in dem Schweins Oberweite gar nicht ihre eigene ist. Heutzutage gibt es Deep Fakes und Gerichtsverfahren, die genau diese Art der Montage zur Grundlage haben.

Man kann von einer Dokumentation nicht erwarten, die gesamte Welt zu erklären, aber das Schlusswort einer versöhnlichen Perspektive von Menschen zu überlassen, die aus dem Gröbsten heraus sind, ist eine verpasste Gelegenheit.


Bildrechte:
1. Bild (Harald Schmidt): WDR
2. Bild (von Sinnen/Gottschalk): Port au Prince Pictures/dpa



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